| Wissenswertes über Haiti |
Haiti
Der Landesname kommt aus der Sprache der Taíno, der Ureinwohner Hispaniolas, und bedeutet „bergiges Land“. Die heutigen etwa 9 Mio. Einwohner Haitis sind größtenteils afrikanischer Abstammung. Hauptstadt des Landes ist Port-au-Prince. Rund 200 km südwestlich der Hauptstadt liegt der Ort, an dem die "Haitihilfe Heinz Kühn" ihre Hilfstätigkeit ausübt, Port-Salut. Haiti ist das einzige Land des amerikanischen Doppelkontinents, das zu den am wenigsten entwickelten Ländern gezählt wird. Zur schwachen Wirtschaft kommt eine instabile politische Lage mit zahlreichen Unruhen, weshalb im letzten Jahrzehnt über drei Millionen Haitianer ausgewandert sind. Am 12. Januar 2010 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7 Haiti, worauf die gesamte Infrastruktur des Landes zusammenbrach. Das Epizentrum lag in der Nähe von Port-au-Prince.
GeographieHaitis Nachbarn sind u. a. die Turks- und Caicosinseln, die Dominikanische Republik, Jamaika, Kuba und die Bahamas. Das Staatsgebiet hat die Form eines nach Westen geöffneten U, das durch zwei lange Halbinseln gebildet wird. Dazwischen liegt der Golfe de la Gonâve, an dessen östlichen Ende die Hauptstadt Port-au-Prince liegt. Der höchste Berg ist mit einer Höhe von 2.680 m der Morne de la Selle. Er liegt im Südosten des Landes in der Sierra de Bahoruco, unweit der Grenze zur noch gebirgigeren Dominikanischen Republik, mit der Haiti eine 388 km lange landgebundene Grenze teilt. In der Landesmitte erreichen die Berge 1500–1800 Meter über dem Meeresspiegel, im Massif du Sud auf der weit gegen Jamaika vorragenden Tiburon-Halbinsel bis etwa 2.400 m. Neben dem Westen Hispaniolas umfasst Haiti auch vorgelagerte Inseln wie die Île de la Tortue und die Île de la Gonâve. Haiti liegt im Bereich tropischer Wirbelstürme. Zuletzt richtete der Hurrikan Jeanne im September 2004 erhebliche Schäden in der Gegend um die Stadt Gonaïves an. Dabei kam es in Haiti zu etwa 3000 Todesopfern. Besonders schlimm traf es den Staat im August und September 2008, als vier aufeinanderfolgende tropische Wirbelstürme durch Starkwind und Starkregen Zerstörungen anrichteten. Durch die Auswirkungen von Tropensturm Fay, Hurrikan Gustav, Tropensturm Hanna und Hurrikan Ike wurden insgesamt in Haiti rund 800 Personen getötet, tausende von Bewohner stürzten noch tiefer ins Elend. Geologisch liegt Haiti an der Grenze zwischen Karibischer und Nordamerikanischer Platte. Dort kam es am 12. Januar 2010 zu einem schweren Erdbeben der Stärke 7,0, welches viele Gebäude auf Haiti zerstörte. Das Hypozentrum des Hauptbebens lag 25 km westsüdwestlich der Hauptstadt Port-au-Prince in einer Tiefe von 13 km. Um 6:03 Uhr Ortszeit am 20. Januar 2010 folgte ein Nachbeben der Stärke 5,9; das Epizentrum lag 60 Kilometer west-südwestlich der Hauptstadt Port-au-Prince. Durch Bodenerosion ist das fruchtbare Land seit der Besiedlung 1492 auf fast 50 % geschrumpft. Der Regenwald war bereits 1990 zu 98 % abgeholzt. In der Landreform Anfang des 19. Jahrhunderts erhielten Bauernfamilien je 15 ha Farmland. Die Nachkommen dieser Landerben teilten das Land in immer kleinere Stücke auf. 1971 war das auf eine Bauernfamilie entfallende Land nur noch knapp 1,5 ha groß. Um zu überleben, musste das Land übernutzt werden. Starke Erosion war die Folge und der Boden wurde innerhalb weniger Jahre unfruchtbar. Die verarmten Nachkommen machten noch steilere Hänge nutzbar. Dieser Boden wird in wenigen Jahren ebenfalls zerstört sein. Außerdem entfielen vor allem seit 1981 im Rahmen des USAID-Programms immer mehr Flächen für Kaffee- und Mango-Plantagen für den Export. In der Folge zogen nun Massen verzweifelter Menschen von den Bauernhöfen in Hanglage nach Port-au-Prince. Landesweit führte der Verlust an landwirtschaftlichen Flächen für den eigenen Verbrauch zu sozialer Destabilisierung des Landes.
BevölkerungDemographieIn Haiti wird nur ein sehr kleiner Teil der Geburten und Todesfälle amtlich registriert. Daher beruhen alle Zahlen auf Schätzungen und Projektionen. Die untenstehenden Zahlen sind deshalb in höchstem Maße unsicher. Die Lebenserwartung beträgt im Schnitt 50 Jahre (2006) und das Durchschnittsalter der Bevölkerung beträgt 20,2 Jahre (2009). Die Säuglingssterblichkeit lag 1997 bei 9,2 %, die Kindersterblichkeit bei 13,2 %. Das durchschnittliche jährliche Bevölkerungswachstum betrug 1990–1997 1,9 % und war bis zum Jahr 2010 auf 2,1 % angestiegen. Die zusammengefasste Fruchtbarkeitsziffer lag im Jahr 2009 bei 4 Kindern pro Frau. Die haitianische Bevölkerung teilt sich in 95 % Schwarze, 4,9 % Mulatten und 0,1 % Weiße auf. Andere Zahlen geben 60–80 % Schwarze, 15–35 % Mulatten und bis zu max. 5 % Weiße an. 33 % der Haitianer leben in Städten. Die größten Städte sind (Berechnung für 2008): Port-au-Prince 1.368.075 Einwohner, Carrefour 503.954 Einwohner, Delmas 445.236 Einwohner, Cap-Haïtien 145.709 Einwohner und Pétionville 122.677 Einwohner. Das Ballungszentrum Port-au-Prince wird mit 2.411.407 Menschen im Jahr 2008 geschätzt. SprachenDie beiden Hauptsprachen Haitis sind Haitianisch und Französisch. Letzteres hat v. a. als Zweitsprache und Bildungssprache größere Bedeutung. Ausschließlich religiöse Bedeutung hat die Sprache Langaj (auch Langay oder Haitian Voodoo Culture Language). Die Sprachen der indigenen Indianer sind ausgestorben. ReligionenLaut einer Zählung der Vereinten Nationen gehören 54,7 % der Einwohner Haitis der römisch-katholischen Staatskirche an, 15,4 % sind Baptisten, 7,9 % Pfingstler, 3,0 % Adventisten, 1,5 % Methodisten, 0,7 % Anglikaner, 0,18 % Zeugen Jehovas und 0,07 % Mormonen. Eine kleine Gemeinde bilden die rund 3.000 Mitglieder der Neuapostolischen Kirche. Zwar gaben nur 2,1 % der Bevölkerung eine Zugehörigkeit zur Voodoo-Religion an, doch praktizieren auch viele weitere Einwohner, die sich offiziell zum Christentum bekennen, gleichzeitig Voodoo- u. a. spiritistische Rituale – insgesamt schätzt man etwa drei Viertel der Bevölkerung, zumeist Schwarze und Mulatten. Voodoo diente Präsident François Duvalier zum Anlass, gegen Mulatten vorzugehen.
Soziale LageHaiti ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Das Land ist ein stark bevölkerter Agrarstaat mit dem geringsten Pro-Kopf-Einkommen Lateinamerikas. In der Hauptstadt Port-au-Prince kommt es gehäuft zu Entführungen, Schießereien, Raubüberfällen und Drogenhandel. Von den rund neun Millionen Einwohnern leben über 65 Prozent der Gesamtbevölkerung unterhalb der absoluten Armutsgrenze. Rund 50 Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sind arbeitslos, die Hälfte der Bevölkerung ist unterernährt. 1,9 Millionen der 9,4 Millionen Einwohner Haitis sind chronisch unterernährt. Die Analphabetenquote liegt bei 50 Prozent, obwohl eine sechsjährige Grundschulpflicht besteht. 1995 waren 55 Prozent der Bevölkerung Analphabeten. Vor einiger Zeit noch hatte Haiti die höchste AIDS-Rate außerhalb von Afrika. Dank Aufklärungsarbeit und dem vermehrten Gebrauch von Kondomen ist diese nun im Sinken begriffen. Zwischen 1993 und 2003 sank sie bei schwangeren Frauen von 6,2 % auf 3,1 %. 2009 waren nur noch 2,2 % der Bevölkerung von AIDS betroffen. Die schlechte Überwachung des Luftraumes hat z. B. dazu geführt, dass Haiti ein beliebtes Transitland für den Kokainschmuggel geworden ist.
PolitikPolitisches SystemNach der Verfassung vom 28. April 1987 ist Haiti eine präsidiale Republik. Staatsoberhaupt und oberster Inhaber der Exekutivgewalt ist der auf 5 Jahre vom Volk direkt gewählte Staatspräsident. Er ernennt den Ministerpräsidenten, der vom Parlament bestätigt werden muss. Die Legislative liegt beim Zweikammer-Parlament, bestehend aus Senat (27 Mitglieder welche für 6 Jahre gewählt werden) und Abgeordnetenhaus (mit 83 Abgeordneten die auf 4 Jahren gewählt werden). Haiti ist 2009 zweifellos ein schwacher Staat, nach Einschätzung des Fund for Peace hat das Land sich 2009 gegenüber den Vorjahren in mehreren Kriterien verschlechtert und ist nach Einschätzung von Foreign Policysogar ein gescheiterter Staat. InnenpolitikDie innenpolitische Situation in Haiti war in den letzten Jahrzehnten durch wiederholte Krisen wie Staatsstreiche, ausländische Interventionen und/oder Diktaturen mit Ausbrüchen von gewalttätigen Konflikten, Verletzungen der Menschenrechte und chronische Instabilität gekennzeichnet. Der am 29. Februar 2004 zurückgetretene Präsident Jean-Bertrand Aristide hat Interims-Präsident Alexandre Latortue ein Land im Chaos hinterlassen. Rechtsstaatliche Ordnung, institutionelle Strukturen und kollektive Verhaltensregeln fehlen weitgehend. Hinzu kommt ein Panorama an Korruption, mangelnde Strafverfolgung, Wahlbetrug, kriminellen Banden, Drogenhandel und die Bereitschaft, Konflikte gewaltsam auszutragen. Seit dem 14. Februar 2006 ist Rene Préval wieder Präsident Haitis. International gilt er als Realpolitiker. Seit dem 11. November 2009 ist Jean-Max Bellerive Premierminister. AußenpolitikDie entwicklungspolitische Zusammenarbeit zwischen Haiti und der Bundesrepublik Deutschland reicht bis in die siebziger Jahre zurück, hat aber durch die innenpolitischen Auseinandersetzungen und die unzulänglichen strukturellen Rahmenbedingungen wiederholt Zäsuren erfahren. Im Jahr 2000 bildeten die Wahlmanipulationen erneut Anlass für die Bundesrepublik Deutschland, im Verbund mit den anderen EU-Staaten, das Engagement zu reduzieren: Die laufenden Projekte der Technischen Zusammenarbeit wurden weitergeführt, es wurden aber keine neuen Projekte vereinbart. Vor dem Hintergrund der extrem schlechten sozioökonomischen Situation und der chronischen politischen Instabilität hat die haitianische Übergangsregierung im Juli 2004 mit Unterstützung der Gebergemeinschaft ein Rahmenabkommen für die Entwicklungszusammenarbeit (Cadre de Coopération Intermédiaire) für die zwei Jahre bis zu den Neuwahlen ausgearbeitet. Auch die deutsche Regierung beteiligt sich an diesem Programm. Damit ergeben sich in naher Zukunft neue Rahmenbedingungen für die deutsch-haitianische Zusammenarbeit. Haiti ist potentielles Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, der Schwerpunkt der Technischen Zusammenarbeit liegt im ländlichen Raum (kommunale/lokale Entwicklung).
WirtschaftEntwicklung2009 wurden Haiti etwa 1,2 Milliarden US-Dollar an Auslandsschulden erlassen. Rücküberweisungen von Emigrant/innen und der Textilhandel machen den Großteil des Bruttoinlandsprodukts aus. In der Kolonialzeit galt Haiti als eines der reichsten Länder der Karibik. Um die Anerkennung der Unabhängigkeit durch die ehemalige Kolonialmacht Frankreich zu erreichen, musste Haiti sich jedoch durch hohe Zahlungsverpflichtungen „freikaufen“. Diese Zahlungen, die fast das ganze 19. Jahrhundert hindurch andauerten, überstiegen die Leistungskraft Haitis bei weitem. Zusammen mit politischer Instabilität, Umstellung der Landwirtschaft von der Deckung des eigenen Bedarfs auf Exporte in die USA und später in den NAFTA-Raum und langjähriger Misswirtschaft führte das dazu, dass Haiti sich zum „Armenhaus Amerikas“ entwickelte. Haiti gilt als ärmstes Land der westlichen Hemisphäre: Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen lag 2007 bei ca. 600 US-Dollar. Etwa 80 % der Haitianer müssen von weniger als 2 US-Dollar am Tag leben. Seit dem Sturz von Jean-Bertrand Aristide ist die Wirtschaft des Landes in einer schweren Krise. Doch erste Anzeichen der Normalisierung zeigten sich am 4. März 2004, denn in Port-au-Prince öffneten erstmals wieder die Banken. Der Industrieverband Haitis schätzt die entstandenen Schäden der Unruhen auf mehr als 100 Millionen Euro. Die Deutsche Post hat die Zusage gegeben, Haiti beim Aufbau eines modernen Postleitzahlensystems zu unterstützen. Ein großes Problem des Staates ist der hohe Grad an Korruption. Er belegt einen der untersten Plätze in der Statistik der Transparency International. Gegen Haiti wurde von der Bundesrepublik Deutschland ein Erfüllungsverbot nach Totalembargo verhängt. Wirtschaftszweige
Außenhandel
TourismusDer überwiegende Großteil der Tourismuseinnahmen des Landes stammt aus der Verpachtung des Hafens Labadee samt angrenzenden Stränden im Norden des Landes an die Kreuzfahrtreederei Royal Caribbean Cruises. Labadee wird als regelmäßiger Landgang auf den Karibikkreuzfahrten angesteuert. Die Reederei zahlt dem haitianischen Staat sechs US-Dollar pro Tourist. Das Gelände ist gegenüber dem Rest des Landes streng abgeschottet.
Diese Informationen basieren auf dem Artikel Haiti der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Artikel steht unter der Lizenz der CC-BY-SA, bzw. der GNU Free Documentation License. Eine Liste der Autoren ist auf der Seite der Wikipedia zu finden. Stand: 21. Januar 2010, 14:26 MEZ. |
©2010 Haitihilfe Heinz Kühn, Powered by Joomla.